Liebe Leserschaft, wir freuen uns, Ihnen unseren brandneuen C4 Blog, als auch unser erstes Blog-Interview mit unserem Executive Director Harald Beck vorzustellen. Die thematischen Schwerpunkte unseres Gesprächs waren insbesondere Fragen zur geschäftlichen Ausrichtung der C4 Energy, die Eindrücke aus dem Verkauf des Braunkohle-Kraftwerks Schkopau und die Bedeutung der Energiewende. Wir bedanken uns auch herzlich für das Engagement und die Zeit von Herrn Beck. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

 

Sie sind Executive Director sowie Senior IT-Manager der C4 Group. Das klingt sehr vielfältig. Wie sieht ein Arbeitstag meist bei Ihnen aus?

Das lässt sich leider gar nicht so einfach beschreiben, da sich mein Arbeitstag auf mehrere Aufgabenpakete verteilt. Ich steuere als Projektleiter wichtige Kundenprojekte, in denen wir als C4 Energy eine Schlüsselrolle ausfüllen. Solche Projekte sind beispielsweise CarveOut und CarveIn Projekte, bei denen unsere Kunden wichtige Unternehmensteile veräußern oder integrieren. Wir als C4 stellen sicher, dass die veräußerten oder erworbenen Unternehmensteile in der neuen Zielumgebung im Hinblick auf IT-relevante Prozesse und organisatorische Abläufe weiterhin reibungslos funktionieren. Andere Projekte, die hier als Beispiel angeführt werden können, sind solche, bei denen wir für den Unternehmenserfolg wichtige IT-Projekte leiten oder temporäre Managementaufgaben wahrnehmen, bei denen unsere Kunden allesamt auf unsere Expertise und unseren Erfahrungsschatz aus mehreren Jahrzehnten Tätigkeit in der Energiewirtschaft vertrauen.

Neben all diesen Tätigkeiten sind natürlich noch eine Vielzahl von Aufgaben für die C4 Group durchzuführen – angefangen bei der Pflege von Kontakten zu Kunden, Beratern und Mitarbeitern, vertrieblichen Aktivitäten, Aufbau und Erweiterung der internen Organisation, Aufgaben im Bereich des Rechnungswesens … die Liste lässt sich beliebig erweitern. Sicherlich können Sie sich denken, dass mein Arbeitstag keinem klassischen 9 to 5 Arbeitstag entspricht und man in dieser Position eigentlich auch 24 h verfügbar ist, aber um die wichtigste Frage vorwegzunehmen … gerne jederzeit wieder.

 

Die Serviceleistung Ihres Beratungshauses formiert sich aus mehreren Einheiten. Unter der C4 Energy sind Sie für die Energie- und Versorgungswirtschaft tätig. Können Sie unseren Leser:innen erklären, in welchen Kerngeschäftsfeldern die C4 Energy genau aktiv ist?

Als wir das Unternehmen gegründet haben, war die Wahl des Namens bereits wohlüberlegt  – „Energy“. Unsere Kernkompetenz begann im Bereich der IT in allen wesentlichen Bereichen, die in der Energiewirtschaft genutzt werden. Unsere Expertise ist aber im Laufe der Jahre mit uns gewachsen und übersteigt die klassische IT-Beratung bereits seit vielen Jahren. Wenn ich das Kerngeschäft der C4 Energy beschreiben darf, so stützt sich dies auf mehrere Säulen. Im Schwerpunkt sind dies softwarenahe Beratungsleistungen im Bereich SAP verteilt auf alle Systeme (ERP, BI, HCM, CRM, IS-U), die sich in Neueinführung, Anpassung und Betrieb darstellen.

Eine weitere Säule sind Entwicklungsleistungen, die wir zusammen mit dem Kunden auf allen einschlägigen Plattformen anbieten. Als dritte Säule wäre zu nennen, Organisations- und Managementberatung. Hier führen wir zusammen mit unseren Kunden Reorganisationsprojekte, Aufbauprojekte und Managementaufgaben bis hin zu Management auf Zeit. Als letzte Säule bieten wir unseren Kunden die Übernahme von Aufgabenpaketen (Outsourcing von Unternehmensteilen) bis hin zur Übernahme ganzer Abteilungsbereiche an, um dort Fragestellungen wie Support, Betrieb oder Projektabwicklung zu übernehmen.

 

Worin unterscheidet sich die Projekt- und Beratungserfahrung der C4 Energy im Vergleich zu anderen Wettbewerbern auf dem Markt?

Grundsätzlich finden sich die einzelnen Angebotsteile unseres Leistungsportfolios sicherlich auch bei Mitbewerbern wieder. Was uns unserer Meinung nach aber unterscheidet, ist die Kompetenz im Thema Energiewirtschaft. Neben persönlicher Erfahrung aus mehr als 30 Jahren Tätigkeit in der Energiewirtschaft ist es die vollständige Prozesserfahrung, die ein Energieversorger benötigt. Viele Mitbewerber haben Spezialwissen in einzelnen Themengebieten, so auch C4 Energy. Um darüber hinaus fundiertes Prozesswissen aufzubauen, haben wir zusammen mit Partnern ein eigenes Versorgungsunternehmen gegründet und alle Prozesse der Energiewirtschaft selbst umgesetzt. So können wir von uns sagen, dass wir von der Energiebeschaffung über Vertrieb, Bilanzkreismanagement bis hin zur Ablesung und Fakturierung die komplette Prozesskette beherrschen.

 

Am 30. September vergangenen Jahres hat die Uniper letzte Anteile am Braunkohle-Kraftwerk Schkopau an die Saale Energie GmbH verkauft. Welche Rolle hatte die C4 Energy bei dieser Transformation?

C4 Energy hat bei dem Verkauf die Aufgabe des IT Workstreams übernommen. Unsere konkrete Aufgabe hierbei war sicherzustellen, dass alle IT-Systeme, die zum Betrieb, zur Abrechnung oder gesetzlichen Meldung notwendig waren, in einer neuen, vom Käufer definierten Umgebung unterbrechungsfrei weiterbetrieben werden können.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind für den Betrieb alle instandhaltungsrelevanten Daten, da hier zum einen nachweispflichtige Informationen vorhanden, zum anderen aber auch die vollständige Dokumentation von Wartung, Reparatur etc. hinterlegt sind. Die Besonderheit hierbei war, dass diese Daten im Kernsystem der Uniper eingebunden und nicht einfach separierbar waren. Darüber hinaus würden nicht alle Assets dem Käufer übertragen, so musste sichergestellt werden, dass Netzwerk, Telefone und, und, und parallel aufgebaut und zum 30.09. auf die neue Infrastruktur geschwenkt wurden. Dass das Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden konnte, zeigen Schornstein und Kühlturm, die auch nach dem 30.09. unterbrechungsfrei bis zum heutigen Tage weiter gedampft haben.

 

Seit 2015 hat die Uniper bereits Kohlekraftwerke in Scholven, Datteln, Veltheim, Shamrock und Knepper stillgelegt. Welche nachhaltigen Ergebnisse in der Energieversorgung sind seitdem entstanden?

Auch Schkopau ist ein auslaufendes Modell. Das Betriebsende ist politisch gewollt und absehbar. Soweit wir als Beratungsunternehmen in der Diskussion einbezogen und informiert sind, hat Uniper, als ausgegliederte Kraftwerkssparte, als Strategie Zero Emission für sich festgelegt. Neuinvestitionen – sieht man von Datteln 4 ab – erfolgen wie bei anderen Erzeugern auch – im Bereich der erneuerbaren Energien, indem in Windparks, Offshore-Windparks, Fotovoltaik-Parks, aktuell glücklicherweise im Bereich Import von LNG etc. Bilanziell gesehen glaube ich aber nicht, dass zum einen die stillgelegten Kapazitäten abgefangen bzw. ausgeglichen wurden geschweige denn Kapazitäten aufgebaut sind, die zur Stabilisierung der Netze (Speicher) dienen oder den neu entstehenden Hunger nach Strom decken werden.

 

Dieser Verkauf ist ein gewichtiger Schritt in der 25-jährigen Geschichte des Kraftwerks. Welche Stimmungen haben Sie in der Belegschaft erlebt?  

Interessanterweise war die Stimmung eher optimistisch als pessimistisch, da EPH ja nicht gerade für eine Zero Emission Strategie bekannt ist und die MA sich dadurch doch mehr Hoffnungen machen. Von über 100 MA haben nur zwei den Übergang abgelehnt – aktuell – auch geschuldet dem hohen Strompreis fährt das Kraftwerk in Volllast – dies war vor ca. 1 Jahr noch anders.

 

Gibt es im Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien Themen, in welche Sie bisher noch nicht oder sehr wenig involviert waren?

Ich persönlich brenne für das Thema, da es unsere Zukunft ist. Aber das Thema lässt sich nicht mit zwei Sätzen beantworten. Wir brauchen mehr an sinnvoller Generierung, wir müssen unsere Übertragungsnetze darauf ausrichten, wir brauchen gigantische Speicher, damit wir nicht im Dunkeln sitzen und dennoch werden wir konventionelle Erzeugung parallel benötigen. Neue Dinge angehen – netzdienliches Verhalten der Konsumenten – Tarife, die Last und günstigen Strom in Randzeiten bieten. Strom ist das Öl des 21. Jahrhunderts – wir haben über 60 Millionen Fahrzeuge, die irgendwann mit Strom sich bewegen sollen – Teil dieses Umbaus zu sein ist für mich eine der wichtigsten Aufgaben, weil es die Zukunft meiner Kinder darstellt.

 

Was interessiert Sie besonders daran?

Und um die Frage zu erweitern – privat lebe ich diese Transformation bereits – wir fahren in der Familie mit allen Autos vollelektrisch, wir produzieren unseren Strom soweit möglich durch die Sonne, speichern ihn um ihn außerhalb nutzen zu können und werden im nächsten Schritt versuchen die Erdwärme anzuzapfen – wenn das nicht brennen für das Thema ist?

 

Momentan existiert eine erhöhte öffentliche Sensibilität bei Themen rund um die Energiewende. Welches Thema bewegt Sie da am meisten?

Persönlich erfreut mich, dass viele Menschen in meinem Umfeld umdenken – wenigstens am Thema Fortbewegung. Was mich am meisten bewegt, sind sinnlose Förderungen wie z.B. Bioenergie aus Lebensmitteln wie Mais oder Weizen. Erstaunlich finde ich, dass häufig ältere und junge Menschen das Thema verstanden haben und angehen. Leider erlebe ich genau das Gegenteil häufig in der Altersgruppe 35 –50. Hier scheint man die Zeichen der Zeit leider immer noch nicht zu verstehen. Selbst wenn wir nicht an den Klimawandel glauben wollen – Öl ist vergänglich und bei der Verbrennung von Kohle entsteht pro Tonne fast 3 Tonnen CO₂.

 

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